Plastik


Gottesmutter mit Kind, 18./19. Jh., Glatzer Land, Niederschlesien
Gottesmutter mit Kind, 18./19. Jh., Glatzer Land, Niederschlesien

         Die etwa 290 Objekte zählende Kollektion der niederschlesischen Volksskulptur aus dem 18. und 19. Jh. ist die einzige Sammlung in Niederschlesien, die so wertvoll und imposant ist. Die Werke stammen hauptsächlich aus dem Glatzer Region, dem Landeshuter Tal sowie aus der Gegend um Lwówek Śląski (Löwenberg) und Luban (Lauban). Dies waren nämlich die katholischen Enklaven im hauptsächlich von Evangelischen bewohnten Gebiet.

Der auferstandene Christus, 18/19. Jh., Wądroże Wielkie (Groß Wandriß), in der Nähe von  Legnica  (Liegnitz), Niederschlesien
Der auferstandene Christus, 18/19. Jh., Wądroże Wielkie (Groß Wandriß), in der Nähe von Legnica (Liegnitz), Niederschlesien

         Von der katholischen Provenienz zeugt auch die Thematik dieser Skulpturen. Hier überwiegen die Anknüpfungen an Mariengnadenbilder aus Wallfahrtsorten in Schlesien und den Nachbargebieten. Genau so häufig sind die Darstellungen Christi - des Gekreuzigten, des Auferstehenden, Christi an der Säule und des Prager Jesuleins. Relativ selten kann man die in Polen so populären Figuren von Christus in der Rast finden, die einer anderen und nicht minder universellen Darstellung - dem Vesperbild - Platz machen. Noch seltener sind die Darstellungen der Dreifaltigkeit sowie die der Heiligen Familie zu finden. Auch in dieser Gruppe so wie in der ganzen Volkskunst ist die sehr starke Frömmig- keit und der Glaube an die Schutzkraft der Schutzheiligen deutlich erkennbar. Eine große Gruppe bilden die Darstellungen von Heiligen, insbesondere jenen, die auf diesem Gebiet Popularität genossen, wie der hl. Johannes Nepomuk (der vor allem als Schutzpatron gegen Hochwasser und das Ertrinken bekannt ist; seine Steinfiguren wurden an vielen Brücken aufgestellt), der hl. Florian (Schutzpatron gegen Feuergefahr, dessen Bildnisse üblicherweise in Nischenkapellen in den Giebeln der Häuser platziert wurden), der hl. Rochus (Schutzpatron gegen Viehseuchen), der hl. Sebastian und die hl. Rosalie (Schutzpatronen gegen Pest und ansteckende Krankheiten).

Der hl. Johannes Nepomuk, 18./ 19. Jh., Lesica   (Freiwalde), in der Nähe von Bystrzyca  Kłodzka (Habelschwerdt), Niederschlesien
Der hl. Johannes Nepomuk, 18./ 19. Jh., Lesica (Freiwalde), in der Nähe von Bystrzyca Kłodzka (Habelschwerdt), Niederschlesien

         Diese Sammlung ist durch präzise Schnitzerei und sachkundige Ausführung gekennzeichnet. Die am häufigsten erscheinende Ölpolychromie wurde auf dem Kreidegrund ausgeführt, Vergoldungen wurden aufs Poliment aufgebracht. Daher kann man vermuten, dass die Skulpturen aus Spezial- werkstätten stammen. In formaler Hinsicht stehen sie wegen der Dekorativität und einer gewissen Theatralisierung der Geste der Barockkunst nahe. Die meisten von ihnen wurden aus dem leicht zu bearbeitenden Holz angefertigt, nur einige aus Stein. Überdies verwendete man die für die Volkskunst typischen Materialien - Stoffkleider, für welche Heiligenkleider als Muster dienten, Metall- kronen und Papiernimbusse.

Pietá, 18./19. Jh., Marczów (Märzdorf am Bober), in der Nähe von Lwöwek Śląski (Löwenberg), Niederschlesien
Pietá, 18./19. Jh., Marczów (Märzdorf am Bober), in der Nähe von Lwöwek Śląski (Löwenberg), Niederschlesien

         Bei der Analyse der Sammlung von Skulpturen darf man nicht vergessen, dass die entschiedene Mehrheit der Kunstwerke aus lokalen, am Wege ste- henden Kapellen stammt, worauf die charakteristi- schen Aushöhlungen der flach geschnittenen Rück- seiten von Skulpturen wie auch Spuren der Nägel und Haken hinweisen. Sie müssen von den ihnen zugedachten Ausstellungsplätzen entfernt worden sein. Auch aus diesem Grunde soll diese Sammlung als Teil dieses Phänomens betrachtet und analysiert werden, das als Volkskunst bekannt ist und sich noch in so großer Zahl in der Gegend erhalten hat, wenn auch nur in Form von am Wegesrand stehen- den Steinfiguren, Kreuzigungen und Mariensäulen.


Instytucja Kultury Samorządu Województwa Dolnośląskiego

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