Glasmalerei


Gottesmutter, Bild auf Glas, 18./19. Jh., Niederschlesien
Gottesmutter, Bild auf Glas, 18./19. Jh., Niederschlesien

         Die etwa 650 historische Gegenstände zählende Sammlung im Ethnographischen Museum ist die zweitgrößte Kollektion der niederschlesischen Glasmale- rei nach der des Bezirksmuseums in Jelenia Góra (Hirschberg). Dieser Kunstzweig, der so charakteristisch für die Volkskunst und in ganz Mitteleuropa populär war, entwickelte sich in Niederschlesien hauptsächlich im 18. und 19. Jh. im Sudetenvorland. Dies wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jh. durch die Krisen in Hütten für künstlerisches Glas begünstigt, weswegen die dort angestellten Handwerker nach anderen Erwerbsmöglich- keiten suchten. Die Techniken der Verzierung von Gläsern verwendeten sie unter anderem zur Herstellung von religiösen Bildern. Die gesteigerte Nachfrage nach Devotionalien, die von der katholischen Kirche ausgelöst wurde, indem sie, insbesondere in der Gegenreformationszeit, den Kult der Heiligen und den der Wunder wirkenden Marienbilder verbreitete, trug auch zur Entstehung vieler provinzieller Werkstätten bei, die nicht direkt mit der Glasindustrie verbunden waren. Die Erzeugnisse aller dieser Zentren, deren Tätigkeit schon im ausgehenden 19. Jh. Massen- und Serien- charakter annahm, fanden zahlreiche Käufer unter den Pilgern, die zu den lokalen Wallfahrtsorten kamen. Gerade in ihrer Umgebung, vor allem im Glatzer Land und Landeshuter Tal, befanden sich die Zentren der Glasmalerei. Einige Werkstät- ten, unter ihnen ein paar Famili- enbetriebe, waren auch im Habelschwerdter Gebirge und im Adlergebirge tätig.

Maria Hilf, Bild auf Glas, 19. Jh., Kamieniec Ząbkowicki (Kamenz). Niederschlesien
Maria Hilf, Bild auf Glas, 19. Jh., Kamieniec Ząbkowicki (Kamenz). Niederschlesien

         In der Ikonographie der niederschlesischen Bilder über- wiegen religiöse Motive deutlich. Von etwa hundert Themen treten am häufigsten die Darstellungen der Gottesmutter mit Kind auf, die vor allem in Bardo (Wartha), Wambierzyce (Albendorf), Klodzko (Glatz), auf dem Igliczna-Berg im Glatzer Schneegebirge wie auch auf der tschechi- schen Seite in Zlate Hory (Zuckmantel) und Kraliki (Grülich) verehrt wurden. Dieser Typ des aus Österreich stammen- den Bildes von Maria Hilf war auch in Zlotogłowice (Groß Neundorf) in der Nähe von Nysa (Neisse) und in Radochów (Reyersdorf) in der Nähe von Lądek (Bad Landeck) bekannt. Das einzige aus Polen stammende Marienbild, das sich jedoch ungeheurer Popularität erfreute, war das der Gottesmutter von Tschenstochau. Mit der Passionsthematik sind die häufig zu findenden Bilder der Schmerzensmutter verbunden. Sie knüpfen üblicherweise an die gotische Figur aus Wielislaw Stary (Altwilmsdorf) und Pieta-Darstellungen an, welche die in hoher Verehrung stehenden Vesperbilder in Bobolice (Schräbsdorf) in der Nähe von Ząbkowice Śląskie (Frankenstein) und in Mściwojów (Profen) in der Nähe von Jawor (Jauer) nachgeahmt haben dürfen.
         Neben den zahlreichen Darstellungen des gekreuzigten Christus, der auch in Kreuzwegzyklen gezeigt wird, erscheinen auch die Bilder des Christus im Grab. In großer Zahl treten die Bilder auf, für die es keine Vorbilder in der kirchlichen Kunst gibt und die Jesus den Erlöser und Johannes den Täufer zu zweit (auf separaten, aber nebeneinander gestellten identischen Bildern) zeigen. Sie sind als kleine Jungen dargestellt, wobei der Erstere die Weltku- gel und die Dornkrone und der Andere ein kleines Lamm in der Hand hält.

Der Gekreuzigte, Bild auf Glas, 19. Jh., Niederschlesien
Der Gekreuzigte, Bild auf Glas, 19. Jh., Niederschlesien

         Von den Heiligendarstellungen sind die der hl. Anna als Lehrerin der kleinen Maria am populärsten. Derartige Bildnisse - auf dem Annaberg, in der Nähe von Nowa Ruda (Neurode) und in Kowary (Schmiedeberg) - haben einen Ruhm erworben als Bilder, die den Gläubigen besondere Gnaden bringen können.
         Dieses Thema wie auch die Darstellung des hl. Josef - Betreuers und Ernährers des Jesus-Kindes - leitet sich aus dem Kreis von Darstellungen der Heiligen Familie ab. In der Glasmalerei erfreuten sich die apokryphen Genrebilder, die Maria, Josef und den kleinen Jesus im Hausinneren zeigen, besonderer Popularität. Die Figur des hl. Antonius (Schutzpatron der Armen und für verlorene Sachen) trat genau so häufig auf wie die der hl. Anna oder des hl. Josef. In den Vordergrund - ähnlich wie in der ganzen niederschlesischen Volkskunst - rücken jedoch der hl. Johannes Nepomuk und der hl. Florian. Ein interessantes Sammelporträt ist die Darstellung der Heiligen Vierzehn Nothhelfer, deren Kult sich in Ulanowice (Ullersdorf) in der Nähe von Krzeszów (Grüssau) entwickelte. Die Dreifaltigkeit wird in der Malerei wie auch in der Plastik gemäß zweier ikonographischer Schemen dargestellt. Die ältere Konzeption, Gnadenthron (Gott Vater, der das Kreuz mit dem Corpus Christi hält) genannt, galt als Gegen- stand des Kultes im österreichischen Wallfahrtsort Sonntagsberg, die jüngere zeigt den Sohn, der zur Rechten des Vaters sitzt. Die weltliche Thematik wird durch Porträts der herrschenden Personen und ihrer Familien, Militärs, die politisch mit Preußen, Österreich und Russland verbunden waren, legendäre Figuren aus der slowaki- schen, bayerischen und mährischen Malerei vertreten.
         In formaler Hinsicht ist diese Sammlung durch die starke Normalisierung der Formate gekennzeichnet, außer dem Glas- wurde auch der Spiegelhintergrund verwendet. Ein mehrfach wiederkehrendes Motiv ist das der roten Nelken, die in den oberen Bildecken untergebracht sind, oder der Girlanden von kugelför- migen Blumen, die sich unten im Bild befinden. Die eigentliche Darstellung erscheint nicht selten in einer ovalen oder runden Umrahmung.
         Von der Sammlung hebt sich die Gruppe der ältesten und künstlerisch interessantesten Bilder deutlich ab, die sich durch die monumentalere Komposition, die Stilisierung der Zeichnung und die edle Farbgebung kennzeichnen, in der unterschiedli- che Abstufungen von Orange, Blau und Grün dominieren.


Instytucja Kultury Samorządu Województwa Dolnośląskiego

Partnerzy medialni