Geschichte

         Ethnographische Museen dokumentieren die Kulturströmungen, in denen alle gesellschaftlichen Prozesse wie auch regionale und nationale Unterschiede ihren umfassendsten Ausdruck finden. Aus diesem Grunde erfüllen sie eine besondere Rolle auf den Gebieten, deren Geschichte reich an Ereignissen ist, die Migrationen der Bevölkerung sowie den Zusammenprall zwischen den oft äußerst unterschiedlichen Traditionen nach sich ziehen. Niederschlesien ist so eine Region. Von Anbeginn der Besiedelung an überlappten sich hier die Einflüsse der polnischen, tschechischen, lausitzischen und deutschen Kultur, in einigen Orten waren auch die Einflüsse der anderen ethnischen Gruppen zu sehen, die in aufeinander folgenden Kolonisierungswellen in diesem Gebiet ankamen. Das Ungewöhnli- che der Geschichte Niederschlesiens nach dem Zweiten Weltkrieg besteht nicht nur im beinahe völligen "Austausch" der in diesen Territorien lebenden Bevölkerung, sondern auch in der ständigen Konfrontation der Wertesysteme der neuen Ansiedler. Während sie sich andersartigen Lebensverhältnissen anpassten, lernten sie auch die kulturelle Vergangenheit der neu besiedelten Gebiete kennen. Die Integrationsprozesse komplizierten zusätzlich ihre Situation.
         Gegenstände der Volkskultur stellen das deutlichste Zeugnis für all diese Phänomene dar. Aus diesem Grund bemühte man sich schon zu Beginn des Aufbaus der Museen in Wroclaw (Breslau), sie in Sicherheit zu bringen. Die Ethnografische Abteilung, die in den Jahren 1948-1953 eine geschlossene Abteilung war, gehörte dem Staatsmuseum an, das seit 1950 den Namen "Schlesisches Museum" und seit 1970 "National- museum" trägt. Schritt für Schritt wurde sie seit 1953, als man die wechselnde Ausstellung Kultur des niederschlesischen Dorfes der Öffentlichkeit zugänglich machte, zu einer offenen Abteilung umgestal- tet. Im Jahre 1954 wurde die bisherige Ethnografische Abteilung aus dem Museum ausgegliedert und es entstand eine selbständige Zweig- stelle mit Sitz in der Kazimierza-Wielkiego-Straße 35, in einem der Flügel des Gebäudes, das einen Teil des ehemaligen Palastkomplexes des Königs Friedrich Wilhelm IV. bildete und in dem bereits vor dem Krieg, seit 1926, das Schlossmuseum untergebracht war. Unter demselben Dach befand sich auch das Archäologische Museum. Die Museums- zweigstelle machte 1955 den ersten Teil der ständigen, der nieder- schlesischen Volkskunst gewidmeten Ausstellung dem Publikum zugänglich. Der zweite Ausstellungsteil, der die materielle Kultur präsentierte, wurde drei Jahre später eröffnet. Über einige Jahrzehnte hinweg entfaltete das sich dynamisch entwickelnde Museum seine Tätigkeit in diesem Gebäude.

Der ehemalige Sommerpalast der Bischöfe von Wroclaw (Breslau), heute der Sitz des Ethnographischen Museums
Der ehemalige Sommerpalast der Bischöfe von Wroclaw (Breslau), heute der Sitz des Ethnographischen Museums

         Als Ergebnis der Reform der städtischen Museen entstand 1999 das Stadtmuseum, in welches das bisher selbstständige Archäologische Museum als eine ins Arsenalgebäude verlegte Zweigstelle eingegliedert wurde. In demselben Jahr traf man die Entscheidung über die Veränderung der früheren Beschlüsse über die Kommuna- lisierung des ehemaligen Schlossmuseums und die Erweiterung der Museumsräumlichkeiten um den Flügel, in dem sich der Sitz des Ethnographischen Museums befand. Auf der Grundlage dieser Entscheidung forderte die Gemeinde das Nationalmuseum auf, den von seiner Zweigstelle genutzten Gebäudeteil dem Stadtmuseum zu übergeben. Damit begannen die einige Jahre dauernden Verhandlungen zwischen der Selbstverwaltungsbehörde und dem Nationalmuseum einerseits und der Stadt- regierung und dem Stadtmuseum andererseits, deren Zweck es war, dem Ethnographischen Museum einen angemessenen Sitz zu sichern. Die Sicherheit der Samm- lungen sollte gewährleistet und dem Museum die Führung seiner Satzungstätigkeit ermöglicht werden. Im Jahre 2004 wurde die Vereinbarung getroffen, kraft derer dem Ethnographischen Museum das Gebäude des ehemaligen Sommerpalastes der Bischöfe von Wroclaw (Breslau) in der Traugutta-Straße 111/113 als fester Sitz zugewiesen wurde. Das Museum zog im Oktober 2004 ein und beinahe sofort nahm es die intensive Ausstellungs- und Aufklärungsarbeit auf. Im Mai 2006 wurde die erste ständige Ausstellung im neuen Gebäude eröffnet.


Instytucja Kultury Samorządu Województwa Dolnośląskiego

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